Gründer von Abstinenzplus – einer unabhängigen Plattform für Suchthilfe, Suchtprävention und gegenseitige Unterstützung
Mein Name ist Mariusz Krzyształowski. Ich bin Gründer von Abstinenzplus und Initiator mehrerer digitaler Selbsthilfeprojekte für Menschen mit Suchterkrankungen, Menschen auf dem Weg in die Abstinenz sowie deren Angehörige.
Meine Erfahrung
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig der Weg aus einer Abhängigkeit sein kann. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Suchterkrankungen, Therapie, Rückfällen und den Herausforderungen eines Lebens ohne Suchtmittel. Meine persönlichen Erfahrungen, das während zahlreicher Therapien erworbene Wissen und meine technischen Fähigkeiten bilden die Grundlage meiner Arbeit.
Meine ersten Erfahrungen mit Alkohol machte ich bereits als Jugendlicher. Einige Jahre später kamen Drogen hinzu. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Bestandteil meines Lebens erschien, entwickelte sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem mit weitreichenden persönlichen und sozialen Folgen.
Im Laufe der Jahre nahm ich mehrfach professionelle Suchthilfe und therapeutische Behandlungen in Anspruch. Anfangs geschah dies häufig auf Druck meines Umfeldes. Erst später entwickelte ich den eigenen Wunsch, mein Leben grundlegend zu verändern.
Vor ungefähr zehn Jahren entschied ich mich erstmals bewusst und aus eigener Überzeugung für eine Therapie. Auch danach gab es Rückfälle, Krisen und weitere Behandlungsphasen. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Genesung kein einmaliges Ereignis, sondern ein langfristiger und individueller Prozess ist. Rückfälle müssen nicht das Ende dieses Weges bedeuten. Entscheidend ist, erneut Hilfe zu suchen und die eigene Entwicklung fortzusetzen.
Ich kenne Gefühle wie Scham, Isolation, Hoffnungslosigkeit und die Angst vor einem erneuten Scheitern. Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig verständnisvolle Menschen, therapeutische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen sein können.
Wie die Projekte entstanden sind
Die Idee, meine persönlichen Erfahrungen mit meinen Kenntnissen in der Informatik zu verbinden, entstand während einer Therapie. Mein erstes Projekt trug den Namen Anonimowi Ocaleni (Anonyme Gerettete). Daraus entwickelte sich später das polnische Informationsportal GrupaWsparcia.com.pl, dessen Name übersetzt „Abstinenzplus“ bedeutet.
Das Portal richtet sich an Menschen mit Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit und anderen Suchterkrankungen sowie an Angehörige. Es bietet Informationen zu Suchterkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten, Rückfallprävention, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Ein Schwerpunkt ist die Zusammenstellung von Informationen über Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA), Narcotics Anonymous (NA) sowie Einrichtungen der Suchthilfe.
Meine Überzeugung ist einfach: Menschen, die Hilfe benötigen, sollten nicht erst unzählige Internetseiten durchsuchen müssen, um eine geeignete Anlaufstelle zu finden.
Trzeźwość+ und digitale Selbsthilfe
Am 30. Juni 2026 startete ich in Polen die erste Version von Trzeźwość+. Der polnische Projektname bedeutet sinngemäß „Nüchternheit Plus“ oder „Abstinenz Plus“. Das Projekt verfolgt das Ziel, mehr als nur ein klassisches Informationsportal zu sein. Es soll Menschen miteinander verbinden, die sich gegenseitig auf ihrem Weg aus der Abhängigkeit unterstützen möchten.
Zu den entwickelten beziehungsweise geplanten Funktionen gehören thematische Selbsthilfegruppen und Diskussionsforen, persönliche Erfahrungsberichte und Nutzerblogs, Chat und gemeinschaftliche Austauschmöglichkeiten, Informationen über AA- und NA-Meetings, Profile von Fachkräften aus der Suchthilfe, digitale Werkzeuge zur Unterstützung im Alltag sowie moderierte Online-Treffen und Gesprächsangebote.
Ein wichtiger Grundsatz ist dabei, eine möglichst sichere und suchtmittelsensible Umgebung zu schaffen, in der belastende Werbung für Alkohol und vergleichbare Inhalte vermieden werden. Im Jahr 2026 entwickelte ich außerdem eine Android-Anwendung zur Unterstützung der Abstinenz. Ihre Veröffentlichung wurde verschoben; die technische Weiterentwicklung läuft weiter.
Abstinenzplus in Deutschland
Mit Abstinenzplus.de beginnt die internationale Weiterentwicklung meiner bisherigen Arbeit. Deutschland verfügt über ein breites Netz professioneller Suchtberatungsstellen, Fachkliniken, Selbsthilfeorganisationen und therapeutischer Angebote. Dennoch kann es für Betroffene schwierig sein, schnell die passenden Informationen zu finden oder den ersten Schritt in Richtung Hilfe zu unternehmen.
Abstinenzplus soll Menschen mit Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit, Medikamentenabhängigkeit, Glücksspielstörung und Verhaltenssüchten sowie deren Angehörige unterstützen. Ein wichtiges Entwicklungsziel ist die Bereitstellung strukturierter Informationen über Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen, Entgiftung, Entwöhnungsbehandlung und weitere Hilfsangebote in Deutschland. Menschen sollen geeignete Angebote möglichst einfach nach Stadt oder Region finden können.
Die deutsche Plattform befindet sich im Aufbau. Neue Informationsbereiche und Verzeichnisse werden schrittweise entwickelt und ergänzt. Abstinenzplus soll erklären, wie Abhängigkeitserkrankungen entstehen, welche Mechanismen Rückfälle begünstigen und welche Möglichkeiten der Behandlung und Unterstützung bestehen. Dabei beschäftigen wir uns unter anderem mit Suchtdruck, emotionalen Belastungen, Rückfallwarnzeichen, dem HALT-Prinzip, therapeutischen Ansätzen und dem Umgang mit schwierigen Alltagssituationen.
Musik und Texte
Musik begleitet mich seit vielen Jahren. Sie ist für mich nicht nur eine kreative Beschäftigung, sondern auch eine Möglichkeit, Erfahrungen mit Sucht, Einsamkeit, Rückfällen und persönlicher Veränderung auszudrücken.
Unter dem Künstlernamen Politoksykoman veröffentliche ich eigene Liedtexte und musikalische Arbeiten. Darin beschäftige ich mich mit Abhängigkeit, Alkohol, Drogen, zwischenmenschlichen Beziehungen und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Ich glaube, dass Musik manchmal Menschen erreichen kann, die noch nicht bereit sind, einen therapeutischen Artikel zu lesen oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Fachlicher Austausch
Bei der Entwicklung meiner polnischen Projekte arbeite ich mit Marcin Bańka, einem auf Suchterkrankungen spezialisierten Psychotherapeuten, zusammen. Unsere Zusammenarbeit besteht seit vielen Jahren. Die von mir veröffentlichten edukativen Artikel und Ratgeber in den polnischen Projekten Abstinenzplus und Trzeźwość+ werden mit ihm fachlich besprochen.
Dabei geht es insbesondere um Themen wie Suchtmechanismen, Rückfälle, Suchtdruck, Therapie und langfristige Genesung. Diese Zusammenarbeit hilft mir, persönliche Erfahrungen von fachlichen Erkenntnissen zu unterscheiden und komplizierte Themen verständlich darzustellen.
Die Zusammenarbeit in Polen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sämtliche deutschsprachigen Veröffentlichungen von einer in Deutschland zugelassenen Fachperson geprüft werden. Fachliche Prüfungen werden dort transparent ausgewiesen, wo sie tatsächlich stattgefunden haben.
Verantwortung, Privatsphäre und Grenzen des Angebots
Suchterkrankungen und psychische Krisen gehören zu den sensibelsten Bereichen des menschlichen Lebens. Viele Betroffene fürchten Stigmatisierung, gesellschaftliche Ausgrenzung oder negative Reaktionen ihres Umfelds. Deshalb gehören Respekt, Vertraulichkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Informationen zu den grundlegenden Zielen meiner Projekte. Niemand sollte wegen einer Suchterkrankung, eines Rückfalls oder seiner Vergangenheit verurteilt werden.
Als Autor übernehme ich die redaktionelle Verantwortung für meine namentlich gekennzeichneten Beiträge. Meine Artikel basieren je nach Thema auf persönlicher Erfahrung, dem während therapeutischer Behandlungen erworbenen Wissen und öffentlich zugänglichen Fachinformationen. Ich bemühe mich, zwischen persönlichen Erfahrungsberichten und fachlichen Informationen klar zu unterscheiden.
Abstinenzplus.de ist ein unabhängiges Informations- und Unterstützungsprojekt. Die Plattform ist keine medizinische Einrichtung, keine Suchtberatungsstelle mit eigener therapeutischer Zulassung und kein Ersatz für eine fachliche Behandlung. Bei akuten gesundheitlichen Krisen, schweren Entzugssymptomen oder unmittelbarer Selbstgefährdung ist professionelle medizinische Hilfe erforderlich. In Deutschland ist der Rettungsdienst unter 112 erreichbar.
Ausblick
Ein weiteres Vorhaben ist die Gründung der polnischen Stiftung „Jeszcze Jest Szansa“, auf Deutsch „Es gibt noch eine Chance“. Die geplante Stiftung soll langfristig Informations-, Bildungs- und Unterstützungsmaßnahmen für Menschen mit Suchterkrankungen und deren Angehörige fördern. Sie ist ein Zukunftsprojekt und wird nicht als bereits bestehende Organisation dargestellt.
Ich habe selbst erlebt, wie schwer es sein kann, in einer persönlichen Krise den ersten Schritt zu machen. Ich weiß, wie sich Rückfälle anfühlen können und wie wichtig es ist, Menschen zu begegnen, die zuhören, ohne zu verurteilen. Mit Abstinenzplus möchte ich meine Vergangenheit nicht verstecken. Ich möchte meine Erfahrungen sinnvoll nutzen und anderen Menschen den Zugang zu Informationen und geeigneten Hilfsangeboten erleichtern.
Meine persönliche Geschichte ist keine allgemeingültige Anleitung zur Überwindung einer Abhängigkeit. Jeder Mensch braucht seinen eigenen Weg, und professionelle Unterstützung kann dabei entscheidend sein. Meine Botschaft lautet: Eine Suchterkrankung muss nicht das letzte Kapitel eines Lebens sein. Veränderung ist möglich, und niemand muss diesen Weg allein gehen.
Mariusz Krzyształowski
Gründer von Abstinenzplus.de
Initiator von GrupaWsparcia.com.pl und Trzeźwość+
Autor und Entwickler digitaler Projekte zur Suchtprävention und Selbsthilfe